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VSF-Suisse hat ein Gesicht: Lernen Sie unseren neuen Länderverantwortlichen in Togo kennen, Géraud Hellow!

VSF- Suisse, 20.12.2017
 

Seit dem 1. November 2017 hat VSF-Suisse in Togo einen neuen Länderverantwortlichen: Géraud Hellow. Der 34-jährige Kameruner hat Veterinärmedizin in Senegal studiert und an-schliessend einen Master im Bereich Nutztierhaltung in Frankreich absolviert. Géraud Hellow hat vor Antritt der aktuellen Stelle für zwei Jahre bei der FAO gearbeitet, zuerst als Feldbüroleiter und später als Koordinator im Bereich Nahrungssicherheit. Was er am meisten an seiner Arbeit mag, ist der direkte Kontakt mit den Nomaden und Kleinbauern und zusammen zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen beizutragen. 

 

Guten Tag Géraud, herzlich willkommen im VSF-Suisse Team! Wir freuen uns sehr, dich dabeizuhaben! Danke für die Gelegenheit, die mir VSF-Suisse gibt, mit der «grossen Familie» zu arbeiten.

 

 

 

Kannst du uns etwas über dich erzählen? Von wo kommst du? Hast du eine Familie? Ich komme aus Kamerun, aber seit dem 1. November arbeite ich in Togo für VSF-Suisse. Und vor VSF-Suisse habe ich für die FAO (Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen) in Tschad gearbeitet.
Unsere Kernfamilie besteht aus vier Personen, zusammen mit meiner Frau und unseren bei-den Kindern. Aber wie ihr wisst, spricht man in Afrika allgemein immer von einer grossen Familie. Ich komme aus einer Grossfamilie in Kamerun. Mein Vater ist vor zwei Jahren ge-storben und er hat mir die Verantwortung gegeben, die Familie zusammenzuhalten, welche sehr gross ist. Ich habe viele Brüder, viele Schwestern und dann noch Cousins und Cousinen, Onkel, Tanten.

Kannst du uns etwas über das Leben in Togo sagen? Togo ist ein Land, das ich seit 2013 kenne. Es ist ein sehr kleines Land im Vergleich zu anderen Ländern in Afrika, es ist aufgeteilt in fünf Regionen und die offizielle Sprache ist Französisch. Die Togolesen sind sehr sympathische und fleissige Menschen. Im Vergleich zu anderen Ländern Afrikas hat die Mehrheit die Schule besucht, was die Stärke dieses Landes ausmacht, denn es fehlt nicht an qualifizierten Arbeitskräften. Es ist klar, dass es bei einem so hohen Armutsniveau auch in Togo an genügend grund- und universitären Ausbildungsstätten mangelt aber wer die Möglichkeit hat zu studieren, macht dies sehr seriös.

 

Was für ein Studium hast du absolviert und was waren deine vorherigen Stellen? Ich habe zwischen 2001 und 2007 Veterinärmedizin in Senegal studiert. Nach dieser Ausbildung wollte ich meine Kenntnisse im Bereich Nutztierhaltung erweitern und habe einen Master in Frankreich mit dem Schwerpunkt Schweinefleisch-Wertschöpfungsketten, Umwelt und Tierzucht abgeschlossen. Und zurzeit schliesse ich gerade einen Master in Betriebswirtschaft ab, mit Fokus auf das Management von Hilfsorganisationen. Bevor ich zu VSF-Suisse gekommen bin, war ich bei der FAO als Koordinator im Bereich Nahrungssicherheit tätig, also im Bereich der Nothilfe innerhalb der FAO. Vor dieser Stelle war ich auch schon bei der FAO, aber auf dem Feld, als Feldbüroleiter in Mao im Landesinnern des Tschads. Ich mochte diese Erfahrung sehr, da sie mir erlaubte, mit den ländlichen Bevölkerungsgruppen zu arbeiten, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern, gegen die Unterernährung und für die Ernährungssicherheit zu kämpfen.

Neben der Viehzucht hatte ich durch die Umsetzung von Projekten im Gemüseanbau, besonders durch den Anbau der eher unbekannten Moringa-Pflanze, die Möglichkeit, mich mit der Landwirtschaft auseinanderzusetzen. Die Moringa ist eine sehr nährstoffreiche und trockenheitsresistente Pflanze, welche ideal ist für die eher trockneren Gebiete der Sahelzone wo meist wenig Landwirtschaft betrieben werden kann. Es ist wichtig, auf solche Pflanzen zu bauen, welche der Bevölkerung zusätzliche Nährwerte, aber auch ein wichtiges Einkommen bietet. 
Neben meinen Erfahrungen in der humanitären Hilfe (Nothilfe) habe ich in Frankreich als Techniker in der Schweinefleischindustrie gearbeitet. Ich habe auch als Tierarzt in Togo und in Kamerun in privaten Tierarztpraxen gearbeitet. Ebenso war ich für AVSF (Agronomes et Vétérinaires Sans Frontières – France) ein bisschen in der Beratung tätig und ich habe auch in Togo, Benin, Tschad und Guinea gearbeitet.

 

Was hat dich zu VSF-Suisse gebracht? Ich habe das Inserat von VSF-Suisse gesehen und der Auftrag hat mich sofort interessiert, erstens weil die Stelle in Togo ist, wo ich meine Familie habe und ausserdem bringt sie die Herausforderung mit sich, ein neues Büro aufzubauen und neue Finanzpartner zu suchen. Und für meine Karriere ist es eine neue Herausforderung, die ich gerne annehmen möchte.


Du hast erst vor drei Wochen begonnen, für VSF-Suisse zu arbeiten. Wie hast du diese ersten drei Wochen wahrgenommen? Da ich wusste, dass das Büro in Togo bis jetzt in der Nordregion und nicht in der Hauptstadt in Lomé ist, war ich schon vor einer gewissen Latenzzeit bei meiner Arbeit vorgewarnt, denn die Verlegung eines Büros braucht Zeit. Die ersten Wochen bestanden darin, mit den Partnern in Lomé Kontakt aufzunehmen. Dank meines Kollegen Constantin, der die Vertretung vor Ort ad Interim übernommen hatte, war die Kontaktaufnahme einfach. Einige Partner hatte ich schon gekannt, andere habe ich zum ersten Mal getroffen. Auf jeden Fall wurden wir schnell Freunde und das ist ein gutes Zeichen für eine gute Zusammenarbeit in Togo.

 

Was hast du für eine Rolle bei VSF-Suisse? Ich bin Länderverantwortlicher in Togo und diese Rolle wird in einem ersten Teil darin bestehen, das neue Büro in Lomé aufzubauen. Meine Rolle wird sein, eine Analyse der Bedürfnisse der Lokalbevölkerung vorzunehmen und zu schauen, welche in unseren Tätigkeitsbereich fallen, danach neue Partnerschaften zu finden und neue Finanzierungen zu suchen. Das existierende Projekt werden wir voraussichtlich durch eine Finanzierung der Schweizer Kantone verlängern können. Aber neue Finanzierungen in einem Land zu finden, welches nicht mehr viele Spender interessiert, ist eine Herausforderung. Um dies zu machen, muss ich in Zusammenarbeit mit dem Hauptsitz eine Länderstrategie ausarbeiten. 

 

Das Hauptziel unseres Projekts APFA in Togo ist, die Armut der am Abdoulaye-Wald an-wohnenden Bevölkerung zu reduzieren und die Umwelt und die Biodiversität der Zone zu schützen. Kannst du uns erklären, wie man vorgeht, um diese Ziele zu erreichen? Das Projekt hat verschiedene spezifische Ziele, welche anhand der Bedürfnisse der Bevölkerung festgelegt wurden. Danach wurden Aktivitäten bestimmt, welche erlauben, diese Ziele zu erreichen. Bezüglich dieses Projekts APFA kann ich als Beispiel die mit der Viehzucht verbundenen Aktivitäten nennen. Man hat vorgesehen, den Viehbestand, vor allem derjenige der kleinen Wiederkäuer, zu verstärken. Nach zwei oder drei Jahren hat man festgestellt, dass der Viehbestand noch nicht genügend gewachsen ist. In der zweiten Phase wird es deshalb darum gehen, verstärkte Unterstützung bei der Ausbildung und der Begleitung der Akteure zu bieten, um sicherzustellen, dass die Wachstumsdynamik des Viehbestands verbessert wird und dass auch Vieh von den einen an die anderen Begünstigen verteilt werden kann (Schneeballeffekt). Ein weiterer Schritt wird darin bestehen, die Nomaden und ihre Tierherden zu schützen, welche ebenfalls zu gewissen Jahreszeiten in der Region des Abdoulaye-Waldes weilen. In diesem Projekt möchte man die Wandertierhaltung erleichtern, indem man Wasserstellen saniert oder neu baut. Dadurch kann das Vieh getränkt werden, ohne dass die Landwirte der Zone oder der Abdoulaye-Wald daraus Schaden nehmen, denn oftmals geraten die herumziehenden Nomaden mit den ansässigen Landwirten in Konflikt.
Ich glaube, dass es für VSF-Suisse sehr wichtig ist, diesen Aspekt einzubeziehen, denn der Norden Togos ist eine beliebte Zone für die Nomadenvölker aus den Nachbarländern, aus Burkina Faso und aus dem Niger. Und die Wandertierhaltung ist die Zukunft der Viehzucht im Norden Togos, in Angrenzung an die Sahelländer. Im Togo wurden extra Wege definiert (couloirs de transhumance), welche speziell für die Nomaden und ihre Tierherden vorgesehen sind, um mögliche Interessenskonflikte mit anderen Nutzniessern dieser Gebiete zu vermeiden. Entlang dieser Wege werden Wasserstellen gewährleistet und das Vieh kann tiermedizinisch behandelt werden.
Besonders wichtig ist es auch, die lokale Bevölkerung vorzubereiten und zu begleiten für sich selbst sorgen zu können, auch wenn das Projekt beendet ist. In Zusammenarbeit mit staatlichen Strukturen, insbesondere dem Institut für landwirtschaftliche Beratung ICAT (Institut du Conseil d’Appui Technique), wird man die einfachen Bauernorganisationen begleiten sich zusammenzuschliessen und als Genossenschaften zu arbeiten.
Und nicht zuletzt geht es darum die Fauna und Flora des Abdoulaye-Waldes zu schützen und gegen die «Wilderei», die Abholzung sowie die Ausbeutung der Waldprodukte vorzugehen. Dies wird erreicht, indem der anwohnenden Bevölkerung alternative Einkommensmöglichkeiten im Bereich der Landwirtschaft angeboten werden und indem sie immer wieder auf den Schutz der Biodiversität und der Umwelt sensibilisiert werden.

 

 

Das ist genau die nächste Frage: In unserem Projekt möchten wir zwei Bereiche in Einklang bringen, welche auf den ersten Blick unvereinbar scheinen: der Umweltschutz und die Armutsreduzierung. Glaubst du, dass dies funktioniert? Das funktioniert sehr gut, weil indem man den Menschen die Möglichkeit gibt, andere Aktivitäten auszuüben wie die Viehzucht, die Landwirtschaft und die Produkteverarbeitung, nimmt die Anziehungskraft der Waldprodukte, also das Baumfällen um Kohle herzustellen oder das Jagen ab. Und diese anderen Aktivitäten sind neue Einnahmequellen.

Es handelt sich also darum, die Leute immer und immer wieder auszubilden, sie bei ihrer Produktionskette zu begleiten, von der Produktion hin über die Verarbeitung bis zur Vermarktung. 
Was magst du besonders an deiner Arbeit? Ich würde sagen, vor allem den Kontakt mit den Bauern, den Begünstigten, denn um ihnen zu helfen, sind wir überhaupt erst vor Ort. Die Arbeit mit den begünstigten Bevölkerungs-gruppen ist immer eine Gelegenheit, zu lernen, neue Dinge zu sehen, was sehr wertvoll ist. Es ist nicht jedem gegeben, Orte zu besichtigen, zu reisen, Neues zu entdecken.
In einem Projekt hat man immer tausende von Begünstigten und deshalb sind es tausende von neuen Personen, welche man trifft. Im Allgemeinen kennst du nicht jeden, aber oft kennen diese Personen dich: «Ah, du bist es, Géraud!». Wenn du in einem Dorf ankommst, ruft dich jedermann, man kommt zu dir. Und das macht Freude, vor allem, ihnen etwas mitzubringen, mit auf ihren Weg zu geben.
Und wie verbringt ein Länderverantwortlicher so seine Freizeit? Ich habe gerade mit meiner Familie ein neues Zuhause gefunden in Lomé, ein Haus, das einen sehr grossen Garten hat und somit verbringe ich meine Freizeit damit, allmählich den Garten anzulegen. Dies hat mir übrigens einige Blasen verleiht (er zeigt seine Hände und lacht). Nach jahrelangem Arbeiten im Büro, bin ich es nicht mehr gewohnt, im Garten zu jäten. Und nun habe ich zu pflügen und anzubauen…. Ich schaue auch Sendungen über Politik und Wirtschaft und über Entrepreneurship und Innovation in der Privatwirtschaft in Afrika. Und schliesslich lese ich gerne, nur fehlt mir momentan die Zeit dazu. Ich muss mich besser organisieren, um Zeit und interessante Lektüren zu finden.
Welche Nachricht möchtest du den Personen in der Schweiz übermitteln, welche VSF-Suisse unterstützen? Zuerst möchte ich mich gerne bei der Schweizer Bevölkerung, welche die Aktivitäten von VSF-Suisse unterstützt, bedanken. Es ist eine sehr noble Tat, für Menschen zu spenden, die man nicht kennt oder für Bevölkerungsgruppen, welche man nie gesehen hat. Dafür möchte ich wirklich danken. Ich spreche nicht im Namen von VSF-Suisse, aber im Namen dieser hilfsbedürftigen Menschen, zu denen ich sehr nahe stehe…
Zu helfen ist sehr wichtig. Denn jedes afrikanische Land hat seine spezifischen Besonderheiten und ein Grossteil der Bevölkerung dieser Länder wird immer noch ausgegrenzt, viele gehören der ärmsten Bevölkerungsschicht an. Auf jeden Fall gibt es mehr benachteiligte Bevölkerungsgruppen, als solche, welche imstande sind, ihre Bedürfnisse zu decken.
Es gibt immer noch viel Arbeit zu tun, um diese Menschen zu unterstützen, damit sie nach und nach für sich selbst sorgen können. So kann vermieden werden, dass sie die Überfahrt übers Mittelmeer wagen oder in Libyen als Sklaven gehalten werden. 
Danke, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen so präzise und mit solch einer Freundlichkeit zu beantworten. Wir wünschen dir das Beste in deiner Arbeit und deinem Privatleben und sind begeistert davon, mit dir zu arbeiten. 
Vielen Dank, es ist eine grosse Freude, mit VSF-Suisse zu arbeiten. 
(Interview: Selina Baumberger)

 

 







 

Tags: Afrika  Togo 
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